· 

Das Aus für Anfang - Spitzenreiter Köln zieht die Reißleine

Markus Anfang und Tom Cichon gegen Holstein Kiel - Foto: pin
Markus Anfang und Tom Cichon gegen Holstein Kiel - Foto: pin

Am verregneten Geißbockheim herrschte Endzeitstimmung, und die bizarre Krise des 1. FC Köln erreichte ihren Höhepunkt:

Der souveräne Spitzenreiter der 2. Fußball-Bundesliga hat sich am Samstag mit sofortiger Wirkung von Trainer Markus Anfang getrennt. Drei Spieltage vor Saisonschluss scheint der Aufstieg zwar nur noch Formsache - doch nun soll der bisherige U21-Trainer Andre Pawlak mit Chefscout Manfred Schmid die Mannschaft über den Zielstrich führen. "Mein Kölner Herz trägt Trauer, denn mein klares Ziel war es, gemeinsam mit dem FC aufzusteigen. Die Mannschaft wird es in den letzten drei Saisonspielen auf jeden Fall über die Ziellinie schaffen, denn die Ausgangssituation ist nach wie vor gut", sagte Anfang: "Ich muss die Entscheidung akzeptieren, auch wenn sie natürlich schmerzt."

Der Klub sah sich nach der unnötigen und peinlichen 1:2(0:1)-Niederlage am Freitagabend gegen Darmstadt 98 zu diesem fast beispiellosen Vorgang gedrängt. „Nach intensiver Aufarbeitung der letzten Spiele haben wir uns dazu entschieden, die Zusammenarbeit mit Markus und seinem Team zu beenden", sagte Sportchef Armin Veh: „Trotz der nach wie vor guten Ausgangslage gab es einen negativen Trend. In dieser Phase der Saison war es deshalbnotwendig, etwas zu verändern, um unser Ziel nicht in Gefahr zu bringen.

"Schon im Stadion hatten die Fans erstmals lautstark den Rauswurf des Coaches gefordert, das für Samstagmorgen angesetzte Training wurde dann kurzfristig abgesagt. Ab Montag soll der neue Mann die Mannschaft nun auf den Saison-Endspurt vorbereiten. Pawlak genießt klubintern einen exzellenten Ruf. Im November hatte der 48-Jährige zum zweiten Mal bei der extremabstiegsgefährdeten Kölner Reserve in der Regionalliga West angeheuert und feierte dort zuletzt sieben Siege aus acht Spielen. Einen ähnlichen Effekt erhofft Veh sich nun für die Profimannschaft.

Für Anfang, im vergangenen Sommer als Hoffnungsträger verpflichtet, war die Niederlage gegen Darmstadt eine zu viel. 26:10 Torschüsse standen nacheinem eigenartigen Spiel in der Statistik, überhaupt war der FC den Darmstädtern in jeder relevanten Erhebung überlegen - am Ende stand aber dennoch die zweite Niederlage nacheinander für den großen Favoriten, die bereits achte der Saison.

Seit vier Spielen wartet der FC auf einen Sieg, es ist schon die dritte Schwächephase, die Anfang trotz des besten Kaders der Liga nicht verhindern konnte. Ein Pfeifkonzert und "Anfang raus"-Rufe begleiteten die Mannschaft in die Kabine, Wut und Frust lagen in der Luft. "Es tut weh, es ist bitter, und man muss ehrlich sagen, es kotzt auch an, wenn du dieses Spiel nicht gewinnst", sagte Anfang.

Dennoch - und das macht die Trennung so bizarr - wird der 1. FC Köln auch diesen Spieltag als Tabellenführer beenden… (RS)