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Die Wahl der Gequälten

Der HSV e.V. hat gewählt und Bernd Hoffmann ist der neue Präsident des Gesamtvereins – mit Ausnahme der Fußball AG. Dennoch wird sein Handeln auch Auswirkungen auf die ausgegliederte Profiabteilung haben. Denn genau das ist sein Ansinnen.
Natürlich hat Bernd Hoffmann am ersten Tag seiner Amtszeit nicht gleich alles umgestoßen, doch seine Ansage war deutlich: „Ein Weiterso kann es nicht geben, wir brauchen eine Trendumkehr.“ Dazu bedarf es einer genauen Überprüfung der Schlüsselpositionen und ihren qualitativen Besetzung im Verein. Hoffmann bezifferte deren Anzahl in jedem gut geführten Fußballclub auf sechs oder sieben. Zu ihnen zählen laut Hoffmann der Vorstandsvorsitz, der Sportvorstand,  der Finanzvorstand, der Trainer, der Nachwuchsleiter sowie ggf. auch der U21- oder U19-Trainer. Nicht jede dieser Positionen sieht der neue Präsident des e.V. als geeignet besetzt. Zwar stellte Hoffmann heraus, dass die Schuldigen für die aktuell schlechte Lage zuvorderst auf dem Platz zu suchen sind, doch hob er die Wichtigkeit eines starken Sportvorstandes hervor. Und genau hier kann sich der erste Hebel finden, den Hoffmann versuchen wird zu bewegen. Wie der Kicker bereits meldete, soll es zum Kontakt mit Jörg Schmadtke gekommen sein. Interessant bei der Sache ist, dass der aktuelle Sportchef des HSV, Jens Todt, ohne Vorstandsmandat ausgestattet ist. Ein Umstand der mit einem Engagements Schmadtkes sicher nicht vereinbar wäre. Denn dass der zuletzt in Köln tätige Düsseldorfer sich selbst als starken Macher sieht, der ungern in zweiter Reihe agiert, ist allseits bekannt. Auf welches Interesse Hoffmann bei ihm stoßen könnte, bleibt ohnehin abzuwarten, denn immerhin schlugen schon 2013 Gespräche zwischen dem HSV und Schmadtke fehl, der darauf hin an den Rhein ging.
Ob Hoffmann auch am Vorstandsvorsitz Heribert Bruchhagen Zweifel hegt, darf vermutet werden. Ob er auch schnell auf Veränderung bzgl. dieser Position drängt, kann eher bezweifelt werden. Dass Bruchhagen bis zum Jahresende im Amt bleibt, ist wahrscheinlich – wenn auch nicht in Stein gemeißelt. Aber was ist das schon beim Hamburger SV? Allerdings wird Hoffmann aller Voraussicht nach in einem angekündigten Telefonat mit Michael Krall, dem neuen Vorsitzenden des vor knapp zwei Wochen neu gewählten Aufsichtsrates, die Besetzung des Rates genauestens analysieren. Nicht jeder gewählte Rat wird nach Hoffmanns Geschmack sein. Und dass er selbst den Vorsitz dieses Gremiums anstrebt ist auch kein Geheimnis. Ob und wie Hoffmann das erreichen kann, muss sich erst noch zeigen. „Ich bin nicht nur einer von sechs (Räten, Anm. der Red.)“, war zwar seine klare Aussage, aber genau das ist aktuell lediglich seine Funktion in der AG. Nicht mehr und nicht weniger.
Immerhin appellierte Hoffmann noch an die Mitglieder: „Wenn wir weiterhin den Gegner im eigenen Verein sehen, werden wir es zu nichts bringen.“ Doch ob er damit jeden erreicht, bleibt fraglich. Kaum wurde das knappe Wahlergebnis von 585:560 Stimmen und der Sieg Hoffmanns bekannt gegeben, hallten erste „Hoffmann-Raus“-Rufe durch den Wahlsaal an der Trabrennbahn. Zu befürchten ist, dass dieses nahezu Fifty-fifty-Ergebnis nicht nur die gestrige Spaltung zwischen den Mitgliedern am Wahltag symbolisierte, sondern eine tiefere Spaltung der Anhängerschaft vorantreiben könnte. Für den fast schon aussichtslosen Abstiegskampf eine schwere Last. (CV)